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Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte – Überblick

 

1836–1932 Die Einzelgänger

Heinrich Hoessli

1836 und 1838 veröffentlichte der Glarner «Putzmacher» (Couturier) Heinrich Hössli (1784–1864) zwei Bände seines grossen Werkes «EROS, die Männerliebe der Griechen».

Darin stellte er als erster Mensch überhaupt öffentlich und in aller Form fest:

  • Dass diese Liebe trotz jahrhundertlanger Verketzerung, Verfolgung, Bestrafung mit Gefängnis, Folter und Hinrichtung nie hat ausgerottet werden können.
  • Dass diese Liebe darum als Anlage der Natur gesehen werden muss.

Seine Folgerung war: Diese Liebe kann daher

  • weder als Verbrechen bestraft,
  • noch als Krankheit geheilt,
  • noch als Sünde verdammt werden.

«Männerliebe der Griechen» und «platonische Liebe» sind damalige Umschreibungen für den später erfundenen Begriff «Homosexualität».
 

1898 publizierte Jacob Rudolf Forster (1853–1926), Heiratsvermittler, Hausierer, Geschäftsmann aus Brunnadern (SG) seine Lebensgeschichte «Justizmorde im 19. Jahrhundert». Ein offen schwul Lebender erzählte erstmals die Geschichte behördlicher Verfolgung, Diffamierung, Einweisung in Gefängnisse und Irrenanstalt, versuchter Abschiebung ins Ausland, Entzug des Bürgerrechts. Und trotz all dem wurde es auch die Geschichte der Durchsetzung seiner Rechte, ja der mutigen Eingabe an die Eidgenössischen Räte 1893 zur Änderung des Strafgesetzes, damit solche Ungerechtigkeit sich nie mehr ereignen könne und dürfe.

 

1932 reiste der Schauspieler Karl Meier, «Rolf» (1897–1974) aus Deutschland in seine Heimat zurück. Er war in Kradolf (TG) aufgewachsen, hatte in den acht Jahren in Deutschland die aktiven homosexuellen Berliner Kreise um Magnus Hirschfeld (Wissenschaftlich-humanitäres Komitee, WhK, und Institut für Sexualwissenschaft) und Adolf Brand (Der Eigene, die erste Zeitschrift für Homoeroten) kennengelernt und war bei letzterem gelegentlicher Mitarbeiter gewesen.

Die Männer (und Frauen) dieser Vereinigungen und Organisationen sahen sich in der Nachfolge Heinrich Hösslis und des deutschen Juristen Karl Heinrich Ulrichs, der 1867 – auf Hössli basierend – seine eigenen Thesen dem Deutschen Juristentag vorgetragen und damit in Deutschland bekannt gemacht hatte.

1932 war das Aufkommen der Nazi-Deutschen Barbarei bereits deutlich spürbar. Nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 schlossen die Nazis schon in den ersten Monaten systematisch möglichst alle schwulen Treffpunkte, zerschlugen die Organisationen, beschlagnahmten deren Publikationen und zerstörten ihre Bibliotheken und Archive etc.

Mit Karl Meier kehrten die Ideen eines Zusammenschlusses gleichgeschlechtlich Liebender in die Schweiz zurück, denn er sollte hierzulande Vater dieser Bewegung werden. Darin sah er seine Aufgabe.

 


Das eidgenössische StGB und erste Gruppierungen 1929–1942 >>

 

 

 

Schwulengeschichte

Überblick zur Schwulen­geschichte in der Schweiz, recherchiert und zusam­men­gefasst von Ernst Ostertag

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