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Berliner Luft unter dem Hoch Klaus

Klaus Wowereit als Türöffner für die NETWORKer

 

Einladung zum Regierenden Bürgermeister von Berlin,
Klaus Wowereit

Am Donnerstag, 2. Septemer 2004, stand eine für Mittagsflüge unüblich grosse Anzahl gut gekleideter Herren vor dem Check-in-Schalter der Air Berlin in Zürich-Kloten. Der vornehme Auftritt war die Folge einer kurz vor Abreise angekündigten Programmänderung, die auf den späteren Nachmittag angesagt war. Vorerst hatten jedoch einmal alle Gelegenheit – dank konsequent getrennter Plazierung der allerengsten Seilschaften – während des Fluges mit weniger bekannten Gesichtern ausgiebig ins Gespräch zu kommen.

 

Donnerstag

Pünktlich in Berlin angekommen, gings darauf per Reisebus in die grosse und geschichtsträchtige Stadt, begleitet vom fachmännischen Kommentar unseres lokalen Reiseführers. Bald einmal waren lange Menschenschlangen um die Neue Nationalgalerie auszumachen, die geduldig mehrere Stunden auf Einlass warteten. Dies nicht ohne Grund, stellte doch hier in Berlin das wegen Renovation geschlossene MOMA (Museum of Modern Art in New York) seine 200 bedeutendsten Meisterwerke des 20. Jahrhunderts aus: ein einmaliger Einblick in das Schaffen von Monet, Van Gogh, Cezanne, Picasso, Warhol, Lichtenstein, Rothko, Hopper und unzähliger weiterer Künstler. Die perfekte VIP-Organisation unseres Reiseleiters liess uns NETWORKer hingegen ohne Wartezeit in den Glas-Stahlbau von Ludwig Mies van de Rohe eintauchen, wo die prominenten Kunstwerke unter kompetentester Führung ausgiebig bestaunt wurden.

Nach diesem ersten Highlight führte uns der Bus weiter zum neu erbauten und im Jahre 2001 eröffneten Kanzleramt. Trotz hoch angelegtem Sicherheitsdispositiv mit Personenschleusen und Metalldetektoren schaffte es jeder von uns, die Sicherheitskontrolle zu passieren und die eindrücklich dimensionierten Räumlichkeiten zu betreten, welche dem Individualtouristen nur zwei Mal im Jahr auf Voranmeldung hin zugänglich sind. Bevor wir jedoch zum Rundgang aufgefordert wurden, hiess es in den Aufzug steigen, in die «Sky Lobby» hochfahren und uns auf einer Atrium-ähnlichen Treppe zum Fototermin aufstellen. Bald einmal erschien Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, und kurze Zeit später begrüsste uns sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder höchstpersönlich. Unser Präsident Thomas Peter erwiderte dies mit einer freundlichen Grussbotschaft und einem kleinen Gastgeschenk aus der Schweiz, was der Herr Bundeskanzler sogleich zu einer Anekdote über sein Dilemma mit der Annahme von Geschenken veranlasste. Nach viel Blitzlicht verabschiedete sich Herr Schröder von uns und entschwand in seine Dienstwohnung unter dem Dach, und wir konnten unter fachkundiger Führung nahezu alle kunstvoll dekorierten Räume ausführlich besichtigen. Nach dem Verlassen des Kanzleramtes wurde dann noch ausgiebig die Architektur der unmittelbar zum Kanzleramt angrenzenden Schweizer Botschaft diskutiert – die Berliner scheinen sich da ganz offensichtlich einiger zu sein als die NETWORKer!

Inzwischen verspürten alle einen rechten Hunger, und so wurden wir ins gemütliche elsässische Restaurant Gugelhof im trendigen Stadtgebiet Prenzlauerberg gefahren, wo Gewürztraminer und Tafelspitz gereicht wurde. Nebst Spätankömmlingen und Gästen gesellte sich wiederum Klaus Wowereit dazu, stets in Sichtweite seiner professionell wortkargen Begleiter.

Erfüllt von einem erlebnisreichen Tag fuhren wir schliesslich zu unserer Residenz, dem Hotel Madison am Potsdamer Platz: Eine hervorragende Adresse mit zurückhaltender, aber überzeugender Architektur – ein weiterer Höhepunkt dieses ersten Tages. Während einige die 50 m2 grossen Design-Suiten bezogen, liessen sich andere noch vom überaus attraktiven, freundlichen Service in der Hotelbar überzeugen, manche bis in die (späte) Frühe des Freitagmorgens ...

 

Freitag

Erwartungsvoll bestiegen am nächsten Morgen (fast) alle um 08:30 Uhr den Bus, um zum Reichstag zu fahren, als ein herrenloses Mobiltelefon klingelte – wie sich dann herausstellte, die clevere Methode eines NETWORKers, die Abfahrt des Busses um ein paar Minuten zu verzögern: Er hatte erstens verschlafen und zweitens realisiert, dass er am Vortag sein Mobiltelefon im Bus vergessen hatte! Jedenfalls ging es dann mit unwesentlicher Verspätung zum Reichstag, wo wir im Abgeordnetenzimmer zum opulenten Frühstück mit Sekt geladen waren. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Susanne Kastner, begrüsste uns mit freundlichen Worten und unterliess es nicht, auch das im Bundesparlament debattierte Anti-Diskriminierungsgesetz anzusprechen. Thomas Peter erwiderte dies wie immer präsidial-souverän mit einer kurzen Dankesrede und überbrachte die Grüsse ihres Amtskollegen und (leider abwesenden) NETWORKers Claude Janiak. Gestärkt begaben wir uns anschliessend auf eine Spezialführung durch das Reichstagsgebäude und waren beeindruckt von der in diesem Haus überall präsenten Geschichte, sowie von der Leistung des Architekten Sir Norman Foster, welcher diesem lichtdurchfluteten Gebäude das heutige Aussehen gab (und der bekanntlich auch dem Zürcher Hotel Dolder einen neuen Schliff gab).

Nachdem sämtliche NETWORKer wieder zum Ausgang des weitläufigen Gebäudes gefunden hatten, erreichten wir mit Verspätung das Rote Rathaus zu Berlin, wo wir bereits von unserem eigentlichen Gastgeber erwartet wurden, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, sowie einem eigens engagierten Fotografen. Beim Rundgang durch das nach dem Krieg wieder aufgebaute Gebäude imponierten nebst Lampen im DDR-Stil der 50er Jahre vor allem die grossen Gemälde im Büro von Klaus Wowereit – und natürlich die Couch, auf der tags zuvor noch Schauspieler Tom Cruise gesessen hatte. Auch hier wurden in kurzen Ansprachen freundliche, vor allem aber herzliche Worte ausgetauscht und viel gelacht. Thomas Peter richtete seine Dankesworte gleich an zwei Klaus, indem er einerseits dem Hausherrn dankte, anderseits dem Hochdruckgebiet «Klaus», welches uns während der ganzen vier Tage strahlendes und warmes Spätsommerwetter bescherte. Nach kurzem Umtrunk begaben wir uns zusammen mit Klaus ins nahe gelegene Restaurant VAU, wo uns der mit Michelin-Stern dekorierte Küchenchef Kolja Kleeberg verwöhnte.

Nach dieser ausgiebigen Mahlzeit tat ein Spaziergang gut, zu Fuss unter den Linden und durch das Brandenburger Tor, am Loch der noch zu bauenden amerikanischen Botschaft vorbei, mit Blick auf das entstehende Holocaust-Denkmal gelangten wir zum Hotel zurück. Manch einer genoss darauf die Wellnesslandschaft im Dachgeschoss, um für den anstehenden Abend wieder frisch zu sein. Dieser begann mit einer Führung durch das Schwule Museum Berlin im Bezirk Kreuzberg, wo gegenwärtig eine Spezialausstellung über den französischen Philosophen und Historiker Michel Focault gezeigt wird. Nach so viel Kultur war manchem nach Handfesterem zumute, und so schwärmten bald einmal Kleingruppen aus, um das nächtliche Berlin individuell zu entdecken.

 

Samstag

Ein ausgiebiges Frühstück im Hotel weckte die noch müden Geister, und bereits fuhr der Bus los nach Potsdam, wo zurzeit eine Prachtresidenz nach der andern renoviert wird. Vorbei an Pfaueninsel, Wannsee und Schloss Babelsberg fuhren wir über die Glienicker Brücke, früher eine Grenze zwischen Ost- und Westberlin; unser Ziel war jedoch Schloss Sanssouci, die Sommerresidenz Friedrich II. (des Grossen). Die von ihm veranlasste Inschrift «Sans, Souci.» mit Komma und Punkt gibt auch heute noch immer Anlass zu wildesten Mutmassungen, zum Beispiel soll dies u.a. «Ohne Virgel – oder was immer damit assoziiert wird – (keine) Sorge» bedeuten. Diese Interpretation ist besser zu verstehen, wenn man sich an die Tragik der persönlichen Geschichte von Friedrich dem Grossen erinnert: Der junge Kronprinz wollte 1730 zusammen mit seinem 26-jährigen Freund Hans Herrmann von Katte dem höfischen Leben entfliehen, die beiden wurden erwischt, und als Strafe musste der 18-jährige Friedrich die von seinem eigenen Vater angeordnete Hinrichtung seines Freundes mitansehen. Friedrich arrangierte sich zwar darauf mit der ihm zugedachten Rolle und bestieg zehn Jahre später den Thron; sein Verhältnis zum Vater, aber auch zu Frauen blieb jedoch zeitlebens ausserordentlich schwierig. Mit Sanssouci schuf er sich einen Ort, wo sich er allein oder mit seinen Freunden zurückziehen konnte, um sich den Künsten und der Wissenschaft zu widmen; seiner Ehegattin soll er, wie allen weiblichen Gästen, den Zutritt verboten haben. Erstaunlich ist jedenfalls, dass rund zweihundertfünfzig Jahre später noch immer ein offizieller Führer eine Gruppe NETWORKer durch das wunderbare Schloss, die römischen Bäder und die grosszügig angelegten Gärten führen kann, ohne auch nur ein einziges Wort über die Gründe für Friedrichs Besonderheiten zu verlieren.

Das Schlosshotel Cecilienhof, eine von der jüngeren Geschichte geprägte Örtlichkeit in Potsdam, erwartete uns daraufhin zum Mittagessen. Hier hielten 1945 die alliierten Siegermächte die Potsdamer Konferenz ab und beschlossen die Aufteilung Deutschlands, was dem weitläufigen Anwesen später selbst die Isolierung durch die Mauer bescherte. Ausgiebig verpflegt döste manch einer auf der Rückfahrt ins Hotel.

Am Abend war Beethovens «Fidelio» in der Staatsoper Berlin unter den Linden angesagt, und wer frühzeitig da war, konnte auf der Treppe vor der Oper noch Smalltalk und Leute-Gucken betreiben, bei einem Glas Sekt und einer Brezel. Auch die Aufführung selbst unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim überzeugte mit zeitgemässem Bühnenbild, wobei die gesanglichen Leistungen wie so häufig unterschiedlich beurteilt wurden.

Nach der Oper war der Abend aber noch keineswegs gelaufen, vielmehr begaben wir uns zu Fuss ins nahegelegene Rote Rathaus zum «Reminder’s Day Aftershow-Get-together», einer Party mit rund 1500 Stars und Sternchen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, welche gleichzeitig den Abschluss der internationalen Berliner HIV-Konferenz bildete. Erfreut begrüsste uns Klaus Wowereit wiederum persönlich, und war auch später immer wieder da, um mit NETWORKern ein paar Worte zu wechseln und sie mit anderen Gästen bekannt zu machen. Viele blieben bis spät in die Nacht im Rathaus, andere nutzen noch die Gelegenheit, das Nachtleben von Berlin ein letztes Mal auszukosten. Nur wenige hatten allerdings realisiert, dass die beim Eingang abgegebenen weissen Partybändel VIP Status verliehen und auch zur Heimfahrt mit den bereitstehenden Limousinen berechtigten ...

 

Sonntag

Klaus Wowereit und sein Lebenspartner kamen heute einmal ohne Bodyguards und besuchten uns ganz privat zum Sekt-Frühstück in der Bar des Hotels. Nach üppigem Buffet und entspanntem Plaudern stand nochmals ein kultureller Höhepunkt auf dem Programm: die Sammlung Berggrün, eine der bedeutendsten privaten Sammlungen mit herausragenden Werken der klassischen Moderne. Mit individuellem CD-Player ausgerüstet liessen wir uns auf die prominent vertretenen Werke Picassos und Klees ein.

Doch schon bald war es an der Zeit, sich auf den Abschluss dieser Reise und den Rückflug nach Zürich einzustellen. Vorher begaben wir uns aber noch zum Farewell Cocktail in den Garten des Schlosshotels Grunewald, wo Thomas Peter mit viel Wortwitz unserem Gastgeber nochmals dankte. Und schon hiess es Abschied nehmen von Klaus, den wir in den letzten vier Tagen als sehr zugänglichen, witzigen und herzlichen Menschen kennen und schätzen gelernt hatten. Ein letzter Drink am Flughafen Tegel bot Gelegenheit, das Erlebte nochmals aufleben zu lassen, bevor uns Air Berlin endgültig wieder nach Zürich zurückführte.

Auch in der Zeit danach wird wohl mancher NETWORKer noch von dieser einzigartiger Reise schwärmen, bei der in jeder Hinsicht nur das Beste gut genug war. Ein ganz, ganz grosser Dank deshalb an den Organisator und an alle Mitbeteiligten, welche diese Reise möglich machten – es war schlicht grossartig.

 

2. bis 5. September 2004

 

Höhepunkte

Berichte von einigen aussergewöhnlichen NETWORK-Veranstaltungen unter vielen …


Varlin

Besuch in der Varlin-Ausstellung im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel  >>


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über die Auffahrtstage in Zermatt >>


Club Dinner

Kurt Aeschbacher
im Gespräch mit dem Fernsehmoderator
Alfred Biolek >>


Kurt Aeschbacher im Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit >>


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Aussergewöhnliche Events und Begegnungen, eine Übersicht über die glanzvollsten Ereignisse >>


Generalversammlung

Bericht von der GV 2007 in
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