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  Letzte Aktualisierung: 18.05.13
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NETWORKer sind schwul – wer darf, soll das wissen?

Immer noch eine Sensation: Outing

Das Outing von schwulen Prominenten ist für die Medien nach wie vor ein grosses Thema. Anstatt mit seiner Mutter erschien Guido Westerwelle, immerhin damals schon 43 Jahre alt, mit einem Mann an der Party zum 50-gsten Geburtstag von Angela Merkel im Sommer 2004. Obwohl Insider schon lange wussten, dass Herr Westerwelle schwul ist, hat die Presse einen grossen Wirbel daraus gemacht.

Claude Janiak, der Nationalratspräsident 2006, heute Ständerat, war «nur» Nationalrat, als er wegen den Verlautbarungen der Bischofskonferenz zum Partnerschaftsgesetz aus der kath. Kirche austrat. Der Blick machte eine grosse Story daraus. Die Bischofskonferenz hielt damals alle katholischen Parlamentarier an, bei einer allfälligen Abstimmung über ein Partnerschaftsgesetz dagegen zu stimmen. Wer dem nicht folge, versündige sich vor Gott. Das ging Claude Janiak zu weit, er ist daraufhin aus der Kirche ausgetreten. Er gewährte dem Blick ein Interview. Damit war in der Schweizer Presse die Tatsache, dass er schwul ist, kein Thema mehr. Doch die Journalisten des Tages-Anzeiger bezeichneten Claude Janiak in ihrer Berichterstattung im Vorfeld der Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz als «bekennenden Homosexuellen». Janiak meint dazu: «Ich habe solange nichts dagegen, solange der Tages-Anzeiger die anderen als ‹bekennende Familienväter›, ‹bekennende Heteros› oder ‹bekennende Bordellgänger› bezeichnet. Sonst ist es das diskriminierend.»

Klaus Wowereit hat sich mit seinem berühmten Satz selbst geoutet: «Ich bin schwul und das ist auch gut so». Für diesen Satz sind ihm die Schwulen und Lesben in ganz Europa dankbar.

Alfred Biolek, allseits bekannter deutscher Fernsehmoderator, wurde in den siebziger Jahren von Rosa von Praunheim zwangsgeoutet. Er musste damit rechnen, wegen Homosexualität angeklagt zu werden. Angeklagt wurde aber der deutsche § 175, das «Schwulenverbot», den man erst reichlich später abschaffte. Das war politisches Outing zum Zwecke gesellschaftlicher Veränderungen. Er wurde von den Gay-Aktivisten für ihre Politik missbraucht, seine Karriere und seine Beliebtheit nahm allerdings keinen Schaden.

 

Homophobe Belästigungen

Bericht eines NETWORKers: «Vor einigen Wochen wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben als Schwuler beschimpft – in meinem Haus, nachts um 11 Uhr, als ich das Fester öffnete, nachdem wir mehrer Male mit der Hausklingel belästigt wurden. Eine Gruppe Jugendlicher oder Kinder standen da irgendwo im Dunkeln und skandierten ‹Schwuler – Schwuler›. Eine Woche später wieder. Als ich mich unter Anwendung aller meiner gelernter Gefechtstechnik an die Gruppe anschlich hörte ich einen Dialog etwa wie folgt: Du – ich weiss er steht jetzt hinter der Türe, geh du nochmals hin und schelle in raus, wenn er rauskommt schiessen wir.»

Der potentielle Superstar Mumi verkündete im Frühling 2007, vor Schwulen könne man ja keinen Respekt haben – oder so. Dann liest man, dass «eine Gruppe von Jugendlichen» die Gäste der bei Schwulen beliebten Cranberry Bar in Zürich angepöbelt und laut Zeugen den Hitlergruss gemacht haben, sowie Bierflaschen ins Fenster warfen. Dann liesst man an einem anderen Tag, dass ein 53-jähriger Mann in Basel von einer Gruppe 14- bis 16-jähriger spitalreif geschlagen wird. Und dann wundert man sich, dass man auch Angst verspürt, nur weil eine Horde blöder Kinder Blödsinn macht. Oder weil eine Horde blöder Eltern offenbar ihren Kindern die Regeln des Anstands, des Respektes und der Offenheit nicht mehr vermitteln kann.

All dies zeigt uns, dass unsere nun politisch verankerten Errungenschaften bei weitem noch nicht gesellschaftlich verankert sind. Und ohne die gesellschaftliche Verankerung dieser Werte nützen auch Gesetze bekanntlich nichts. Man kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass man solche Jugendliche mit einem «Partnerschaftsausweis» beeindrucken und ihnen sagen kann, «seht her, ich lebe in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und dies ist vom Gesetz erlaubt».

Deshalb muss sich NETWORK auch weiterhin und mit Engagement für Offenheit, Respekt, soziale Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen und mit der Kompetenz seiner Mitglieder in Fragen rund um die Homosexualität Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen.

 

Wie «geoutet» muss ein NETWORKer sein?

NETWORKer kann nicht sein, wer nicht geoutet ist. Nur was heisst dies nun, denn auch wer geoutet ist erlebt es täglich, dass er sich immer wieder erneut outen muss oder sich entscheidet, es zu unterlassen, weil es nicht von Belang ist. Entscheidend ist aber, dass, auch wenn wir geoutet sind, die Tatsache schwul zu sein eben doch eine höchstpersönliche Angelegenheit ist und keine öffentliche Information. Das heisst auch wenn wir geoutet sind, erwarten wir von anderen Leuten in unserem Umfeld – also beispielsweise von Mit-NETWORKern – die nötige Sorgfalt im Umgang und in der Weiterverbreitung dieser Information. Wer jedoch geoutet ist, den kann ein unfreiwilliges Outing zwar stören, aber letztendlich verändert es nichts in seinem Leben. Wer jedoch bei NETWORK den geschützten anonymen Kreis such, wie ihn «der Kreis» vielleicht vor 50 Jahren einmal geboten hat, der sucht vergebens. Diesen Schutz kann und darf NETWORK nicht mehr bieten, wenn es seine Rolle gemäss seinem Leitbild erfüllen will.

NETWORKer müssen sich gegenüber dem Verein und seinen Mitgliedern outen. Ansonsten hat der Leitgedanke der Vernetzung keinen Zweck. Wenn man sich nicht kennt, kann man sich nicht vernetzen. Wer sich auf keinen Fall und gegenüber niemandem outen will, kann nicht Mitglied von NETWORK sein. Es ist – und dies sei hier auch nur am Rande vermerkt – aber auch für die heterosexuelle Mehrheit der Bevölkerung, welche unseren Anliegen positiv gegenüber steht und uns unterstützt, zunehmend schwer verständlich, wenn aus unserer Homosexualität noch ein Geheimnis gemacht wird. Eine Organisation, deren Ziel es ist, in der Gesellschaft für Akzeptanz einzustehen, deren Mitglieder müssen zu ihrem Schwulsein stehen können. NETWORKer sind verpflichtet, auch bezüglich ihrer eigenen Offenheit in unserer Gesellschaft in Beruf, Familie und Politik ein Beispiel abzugeben. Wer denn, wenn nicht wir?

 

Der Schutz der Mitglieder

Für die bessere Vernetzung im Verein gibt es ein Mitgliederverzeichnis. Dies ist nur im passwortgeschützten Bereich des Internets einsehbar. Die Mitglieder verpflichten sich, diese Daten und die Zugangsdaten vertraulich zu behandeln. Mitglieder, die eines besonderen Schutzes bedürfen, werden im Mitgliederverzeichnis nicht aufgeführt.

Im öffentlichen Bereich dieser Webseite werden keine Namen genannt, ausser von NETWORK-Mitgliedern, die sich in den Medien zu ihrem Schwulsein bekannten, oder ausdrücklich ihre Zustimmung für die Veröffentlichung ihres Namens gaben.

Unsere Versammlungsorte und die Lokale der wöchentlichen Apéros werden nicht öffentlich bekannt gegeben. Wir wollen kein Ziel sein für Neugierde, von Pöbelei oder für käufliche Liebesdiener. Von Mitgliedern und Gästen erwarten wir die gebührende Diskretion über unsere Versammlungsorte zu wahren.

Einen 100%-igen Schutz vor einem unfreiwilligem Outing kann NEWTORK nicht gewähren. Die NETWORKer sind allerdings angehalten, die nötige Sorgfalt in der Erwähnung ihrer Kameraden gegenüber Dritten walten zu lassen.

 

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