Lesenswerte Bücher
Bücher welche von NETWORKern gelesen wurden und die zur Lekütre und zum Kauf empfohlen werden. Das Schwergewicht liegt auf Büchern zur schwulen Thematik.
Dazu Rategeber für Führungskräfte und Manager. Weiter Neuerscheinungen der aktuellen Belletristik.
Aktuell und besonders lesenswert sind untenstehende Buchempfehlungen:
Gleich und anders – Eine globale Geschichte der Homosexualität
Robert Aldrich, Herausgeber
Geschichtliches Bewusstsein und Wissen ist eine der hilfreichsten Quellen für das Selbstbildnis eines Staates, einer Gemeinschaft, der Familie und jedes einzelnen Individuums. Aus diesem Bewusstsein heraus hat der Australier Robert Aldrich mit dreizehn weiteren Ko-Autoren ein Buch zu Geschichte der Homosexualität verfasst, das man nur loben kann. Es spannt den Bogen von der Antike bis heute, vom europäischen Kulturkreis um die ganze Welt. Dabei wird klar, die Einstellungen der Gesellschaften zur Sexualität, im speziellen zur gleichgeschlechtlichen Sexualität hat sich immer wieder verändert. Die Erscheinungsformen der Männer- und Knabenliebe waren ein absolut gleichwertiger und integrierter Bestandteil der Gesellschaft im klassischen Griechenland und im vorindustriellen Japan. Am brutalsten verfolgt wurde diese im Hochmittelalter Europas und heute in den islamistischen Staaten.
Die Autoren verstehen es, dem Leser die Zeit und die Kulturkreise und deren Einstellung zur Sexualität, gleichgeschlechtlicher Liebe und zur Geschlechterrolle, anhand von überlieferten Dokumenten näher zu bringen. Dabei machen die Autoren mit intellektueller Schärfe äusserst bemerkenswerte Aussagen:
«Die Sexualität der Vergangenheit stimmt nicht mit unserer Gegenwart überein.»
«Gerade mit Hilfe der Sexualität ist sehr häufig die Grenze zwischen Zivilisierten» und ‹Nichtzivilisierten› gezogen worden.»
«Als europäische Reisende im 18. Jahrhundert gleichgeschlechtliche Se-xualhandlungen in Ozeanien unter eingeborenen Völkern feststellten, liess das zum ersten Mal die Möglichkeit ähnlicher Beziehungen bei Personen des Westens als annehmbar oder rational erscheinen, und nicht als verräterisch oder anstössig.»
«Erst die Sexualwissenschaft hat damit begonnen, Menschen zu benennen und definieren. Einigen bescherte der wissenschaftliche Blick auf die gleichgeschlechtliche Liebe unerwünschte Aufmerksamkeit, anderen Identität und Selbstverständnis.»
«Man erwartet von Schwulen einerseits, dass sie sich zu ihrem Schwulsein bekennen, aber wenn sie es tun, wird moniert, dass ihre sexuelle Orientierung öffentlich nicht interessiert. Homosexuelle sind genötigt, ein im Grunde nicht mögliches Gleichgewicht zwischen Verschweigen und lautem Verkünden ihrer sexuellen Interessen zu finden.»
Das Buch ist reich bebildert und hat ein grosses Quellenverzeichnis. Es eignet sich als Nachschlagewerk, als interessante Lektüre und als Basis für eine fundierte politische Diskussion. Jede Bibliothek eines Schwulen ohne dieses Buch ist unvollständig!
Thomas Voelkin, Mai 2007
Robert Aldrich, Herausgeber
Gleich und anders
Murmann Verlag Hamburg
ISBN 3-938017-81-3, 384 Seiten, Fr. 60.–
