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Wilhelm von Gloeden - auch ich in Arkadien

 

Ausstellungsbesuch der Werke des Pioniers der männlichen Aktfotografie

Um 1890 reiste der deutsche Baron Wilhelm von Gloeden nach Taormina auf Sizilien, um seine schlechte Gesundheit zu kurieren. Sein Cousin Wilhelm (Guglielmo) Plüschow lebte schon dort und beschäftigte sich mit der Fotografie. Wilhelm von Gloeden tat es ihm gleich. Nebst Landschaften und Porträts fotografierte er vor allem mehr oder weniger unbekleidete halbwüchsige Männer in den antiken Ruinen. Dies machte ihn zu einem Pionier der männlichen Aktfotografie. Speziell für seine Zeit ist, dass er ausschliesslich im Freien fotografierte.

Dank des florierenden Verkaufs seiner Abzüge wurde er schnell berühmt. Die Tatsache, dass die jungen Männer eine pubertätsspezifische Homoerotik und einen erstaunlich freien Umgang mit der Nacktheit pflegten, erleichterten seine Arbeit. Mit inszenatorischem Geschick stilisierte und veredelte er die sizilianischen Bauernjungen zu arkadischen Schönheiten.

Der in Zürich lebende Heinz Peter Brandun hat wohl die grösste Sammlung von Originalabzügen des Werks von Gloedens. In der Kunsthalle Memmingen, in Bayrisch-Schwaben, werden nun seine gesammelten Werke dieses Pioniers ausgestellt. Die Kulturkommission von NETWORK organisierte einen Besuch der Vernissage. In einem kleinen Bus fuhren 16 NETWORKer in die deutsche Provinz. Ganz überraschend dort die grosse Ausstellung. Heinz Peter Barandun führte die NETWORKer exklusiv durch die Ausstellung. Von Gloeden habe nur anständige Fotografien hinterlassen, das einzige Homoerotische in seinem Werk seien Andeutungen von freundschaftlicher Zuneigung. Anders sein Cousin Guglielmo Plüschow, der wegen Verführung von Minderjährigen verurteilt wurde, und weiteren Fotografen in seinem Umfeld, die schon mal schlüpfrige Fotos machten. (Diese Fotos werden fälschlicherweise oft von Gloeden zugeschrieben.)

Die Vernissage wurde als kleine, feine Lesung mit musikalischen Einlagen gestaltet. Zwei Sprecher, der Museumsleiter und der Kurator, trugen einen witzigen Diskurs vor, der den Bogen vom klassischen Griechenland der Antike mit seiner Verherrlichung der männlichen Jugend, über Johann Joachim Winkelmann und Johann Wolfgang Göthe zu unserer Zeit spannte. Elegant eingewoben in die vorgetragenen Bilder, die Erwähnung des Sponsor der Ausstellung, ein örtlicher Krawattenfabrikant. Zwischen den sprachlichen Bildern gab ein Sänger Kostproben aus den klassischen Schlagern der 20er Jahren, welche das Publikum begeisterten.

26. Januar 2008

 

 

 

 

 

Ausstellung

Wilhelm von Gloeden - auch in in Arkadien
Die Ausstellung dauert bis
26. Oktober 2008,
Di-So, 11-17 Uhr.
Ein Stopp auf der Fahrt nach München lohnt sich auf jeden Fall. Wenn nicht gar eine Reise ...

Kunsthalle Memmingen >>


Katalog

Das Buch zur Ausstellung
Wilhelm von Gloeden - auch ich in Arkadien
Herausgeber Joseph Kiermeier-Debre und Fritz Franz Vogel
Böhlau Verlag, Köln/Weimar, 2007. 208 Seiten, 350 farbige Abbildungen

Fr. 51.-
Im Museumshop € 19.90
ISBN 978-3-412-20065-7