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Das Ende der staatlichen Diskriminierung

Die eingetragene Partnerschaft ändert für wenige viel – der ganzen Schweizer Gay-Community bringt sie Akzeptanz

Wie üblich zum Jahreswechsel traten am 1. Januar 2007 neue Gesetze und Verordnungen in Kraft. Sie alle haben Auswirkungen auf das Leben der Schweizer Bevölkerung. Für die Mehrheit ändert das Gesetz über die eingetragne Partnerschaft wenig. Für gleichgeschlechtliche Paare die sich eintragen lassen aber viel. Sie handeln sich mit diesem Schritt Rechte und Pflichten ein. Ein privater Schritt, der wohl überlegt sein will.

Im Tessin, der Berchtoldstag ist dort kein Feiertag, hat ein älteres Paar am 2. Januar als erstes auf einem Standesamt ihre Unterschrift unter ihre Zivilstandsänderung gesetzt. Die beiden betagten Männer möchten anonym bleiben. Doch das neue Gesetz ist nicht nur eine private Angelegenheit. Es ist das Ende der Diskriminierung von Staates wegen. In Dübendorf machten am 3. Januar der NETWORKer Franz Freuler und Jürg Zaugg den gleichen Schritt. Sie waren bereit, sich als erstes Paar das sich eintragen liess, den Medien Red und Antwort zu geben

 

Jürg Zaugg und Franz Freuler

 

Für die Medien war die erste Eintragung allerdings ein willkommener Anlass um darüber zu berichten. Romantiker aus dem Heterolager sehen das als eine «Hochzeit» für Schwule oder Lesben. Das Fernsehen berichte auf allen Kanälen. Als Franz und Jürg ihre Unterschrift ins Partnerschaftsregister setzten, ging das Blitzlichtgewitter richtig los, der darauf folgende Kuss wurde mit begeisterndem Applaus quittiert. Auf die Frage, was sich nun ändere, erklärte Franz: «Persönlich ändert sich eigentlich nichts. Wir sind seit 32 Jahren aneinander gewöhnt und haben uns gern.» Wohin die Hochzeitsreise gehe, war eine weitere Frage der Medienleute. Nach 32 Jahren Partnerschaft wohl eine gar romantische Vorstellung. Das Migros-Magazin machte schon im Vorfeld eine Reportage. Die Möglichkeit, seine Partnerschaft rechtlich absichern zu können, gleich wer die Partner sind, als Grundrecht einer freien Gesellschaft anzuerkennen, ist allerdings noch nicht in allen Köpfen angekommen, wie Leserbriefe >> das zeigen.

 

Eingetragene Partnerschaften in der ganzen Schweiz

In der ersten Januarwoche haben sich in fast allen Kantonen gleichgeschlechtliche Paare ins Zivilstandsregister eintragen lassen. Überall ein willkommener Anlass für die lokalen Medien, darüber zu berichten. Es sollte nun allen Schweizern klar sein, Schwule und Lesben gibts nicht nur in Zürich! In Oberägeri haben sich die ehemalige Radrennfahrerin Baba Ganz und ihre Frau Priska eintragen lassen. Der «Blick» und die Innerschweizer Medien berichteten ausführlich. In Basel machte der bekannte Kolumnist -minu und NETWORKer mit seinem Mann «Innocent» nach 38 Jahren den gleichen Schritt. Die Basler Medien berichteten ausführlich, doch man spürte die grosse Enttäuschung der Journalisten, keinen Klatsch über eine kitschige, bombastische Schwulenhochzeit zum Besten geben zu können. -minu sieht es nämlich ganz nüchtern: «Wir kommen zwar in eine höhere Steuerklasse, aber im Erbfall haben wir keine 40-prozentige Steuer hinzublättern.»

Die rechtliche Absicherung bei Krankheit und Tod eines Partners dürfte für die meisten Männer- und Frauenpaare der wesentliche Grund für die eingetragene Partnerschaft sein. Dazu kommt vielleicht auch ein bisschen Romantik.

Bestimmt werden wir mal von einer kitschigen, bombastischen Schwulenhochzeit zu hören bekommen, vielleicht nüchterne Eintragung auf dem Zivilstandesamt, grosses Fest mit viel Cervelat-Prominenz im Disney-Land oder auf einem sonstigen passenden Rummelplatz, von der die «Schweizer Illustrierte» und der «Blick» berichten dürfen.

 

Akzeptanz gegenüber unserer Lebensform

Der schweizerische Staat und mit ihm die Mehrheit der Stimmbürger zeigen Akzeptanz gegenüber unserer Lebensform. Je mehr Paare für die Öffentlichkeit sichtbar sind, in eingetragener Partnerschaft oder frei zusammen lebend, je mehr werden wir wahr genommen. Die Zeiten als skurrile Minderheit sind vorbei. Wir müssen uns zeigen, wir müssen Pflichten übernehmen und wir erhalten, wenn wir wollen, unsere Rechte! Unsere Emanzipation ist eine Emanzipation der gesamten Bevölkerung von Bevormundung und Katalogisierung. Es ist die grosse Chance unserer Generation, dies zu ändern.

Es gibt Anlass zur Hoffnung, homophobe Kreise werden zur skurrilen Minderheit, wie diejenigen, welche immer noch glauben, die Erde sei eine Scheibe wie in der Bibel beschrieben und die Kugelgestalt der Erde sei nur ein raffinierter Bluff der Modernisten! Lassen wir uns von den Vordenkern der neuen Konservativen nicht beeindrucken, die Freiheit so zu leben, wie es einem entspricht, ist keine Verschwulung der Welt. Dinge beim Namen zu nennen keine Obszönität. Nüchternes Abwägen von Vor- und Nachteilen einer eingetragenen Partnerschaft ist kein Negieren von Liebe. Es ist ganz einfach ein Menschrecht.

 

Rund 2000 registrierte Paare im ersten Jahr

Im ersten Jahr 2007 haben sich in der ganzen Schweiz rund 2000 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort gegeben. In der Mehrheit waren dies Männer. Im Kanton Zürich waren es über 700, in der Stadt alleine 381. Doch es gab in allen Kantonen Eintragungen.

Ist das nun viel oder wenig? Manche fragen sich, war der Kampf um die eingetragene Partnerschaft ein Kampf nur für einige wenige verbürgerlichte Schwule und Lesben?

Die Antwort kann nur sein: Nein, er war für uns alle. Alle haben gewonnen, die welche sich eintragen – die welche diesen Schritt nie machen werden. Wir haben heute das Recht, wenn wir wollen – wir haben aber auch das Recht nicht zu wollen!

Die hauptsächlichen Wirkungen des Partnerschaftsgesetzes >>

 

 

 

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