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Vom Mittelalter in die moderne Steinzeit

Das goldene Zeitalter der islamischen Kultur

Trotz der Verdammung homosexueller Handlungen durch den Koran hat Homosexualität zu verschiedenen Zeiten in der islamischen Kultur – anders als im Christentum – eine wichtige Rolle gespielt.

Das goldene Zeitalter des Islam (dar al-Islam) – auf das sich viele spätere Intellektuelle gerne bezogen – umfasste die Omaijaden-Dynastie (661–750), die in Damaskus residierte, und vor allem die erste Zeit der Abbasiden-Dynastie in Bagdad (750–1258). Der arabische Einfluss auf diese kosmopolitischen Höfe spielte eine wichtige Rolle im politischen Leben. Es war eine städtische, kaufmännische Gesellschaft, lebendig und sehr reich, eine Blütezeit. Innerhalb dieser Gesellschaft war die Homosexualität eine Variante der Erotik. Vorausgesetzt, der Mann übernahm die aktive Rolle, konnte ein erwachsener Mann Sex mit einem heranwachsenden Jüngling haben. Während des Kalifats des sagenhaften Harun ar-Rashrd (786–809) in Bagdad wurde die Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht erweitert und ihre zahlreichen homoerotischen Untertöne verstärkt.

Abu Nuwas (757–815), der als einer der führenden Dichter der arabischen Literatur gilt, bewegte sich in diesem Kreis, und Darstellungen seines Lebens berichten von seinen Beziehungen zu Knaben und Sklavinnen. Sowohl das unbürgerliche als auch das höfische Leben kostete er voll aus, vor allem während der vier Jahre, in denen al-Amin Kalif war (809–813), mit dem Abu Nuwas zügellose Orgien feierte. Sein überreicher Diwan, eine Sammlung lyrischer Gedichte, erzählt vom euphorischen Hunger nach einem sinnlichen, diesseitigen Leben, das durch vier Dinge geprägt wird: «fliessendes Wasser, Gärten, Wein und das schöne Antlitz des Geliebten».

In seinen zweideutigen Liebesgedichten besingt Abu Nuwas die Liebe zu Epheben und besser noch Fünfzehnjährigen – auch jüngere oder etwas ältere Knaben seien nicht zu verachten, selbst die, denen bereits der Bart zu spriessen beginnt. In seiner Lyrik vergleicht er Jünglinge mit bleichen Gazellen, Rehkitzen oder Zicklein, und seine Schilderungen des idealen Jugendlichen entsprechen den Idealen des Zeitalters: ein geschmeidiger, schlanker Leib, glatte Haut, schmale Hüften, ein fester Hintern, ein Gesicht, das wie der Mond leuchtet, mit Amber gesträhntes Haar, träger Blick, rosenfarbene Wangen, Lippen wie Perlen, eine klare Stimme und nach Moschus duftende Küsse. Die dramatischste Szene in Abu Nuwas' Werk ist die Verführung eines persischen Mundschenks während einer Orgiennacht in einer Taverne. Auch Pagen, Sklaven oder die jungen männlichen Prostituierten, welche die Nacht in den Moscheen zubrachten, waren beliebt: Jungen, gewöhnlich Christen oder Anhänger des Zoroaster, die mit dem Klingen von Goldmünzen oder mit Geschenken gefügig gemacht wurden.

Anders als im Christentum existierte im Islam die deutliche Trennung zwischen Fleisch und Geist nicht, sexuelle Freuden wurden sehr geschätzt. Der Perser Muham mad Ibn Dawud (868–909) schrieb im Alter von sechzehn Jahren Das Buch der Blume – eine Anthologie, die alle typischen Motive der Liebeslyrik variiert und homoerotischen Versen viel Raum einräumt. Das Werk des Andalusiers Ibn Quzman (um 1080–1160) ist ebenfalls bemerkenswert; seine 149 Zajal-Gedichte verherrlichen die Liebe zu Jungen. Auch die arabisch-sizilianische Dichtung, vor allem die des Ibn Hamdis (um 1053–1133), behandelte dieses Thema.

Noch verbreiteter war das Thema Homosexualität in der erzählenden Prosa, insbesondere in den Werken, die sich mit der Praxis des Liebesspiels befassten. Das goldne Zeitalter der arabischen Kultur im Osten endete 1258 mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen. Im Westen 1492 durch die Eroberung Granadas durch die katholischen Könige.

 

Die Blüte der persischen Literatur

In der persischen Literatur, deren klassische Epoche mit dem Mongoleneinfall begann und zweihundert Jahre später endete, erreichte die arabische Dichtung ihre Vollendung. Viele dieser Texte sind mit dem Sufismus verknüpft, einer islamisch-mystischen Bewegung mit asketischen Tendenzen, die jedoch die körperliche Liebe nicht ausschlossen. Mit an Platon erinnernden Formulierungen verherrlichen die Sufis die Liebe zum absolut Schönen, die schliesslich mit der Liebe zu Gott verschmilzt. Der Geliebte ist ein Ephebe (oder «Zeuge» göttlicher Schönheit), der zusammen mit dem Wein gepriesen wird und die Mühen des Lebens lohnenswert macht.

Das Werk von Obeid Zakam enthält viele homosexuelle Anspielungen: Das Buch des Bartes etwa spielt auf die harten Bartstoppeln an, welche die Gesichter der Epheben verschandeln. Ausserdem liefert er eine originelle Darstellung der Legende des mythischen persischen Helden Rostam, der es mit seinem Gegner Human treibt und dabei sogar die Rollen tauscht – eines der wenigen Beispiele für Sex zwischen erwachsenen Männern in der persischen Literatur.

Auch unter den Osmanen (1299–1922) gibt es einige literarische Zeugnisse von Homoerotik. Sexuelle Freizügigkeit unter Männern war in der ganzen islamischen Welt weit verbreitet. So galt die freie Stadt Tanger bei europäischen und amerikanischen Schwulen von 1930 bis Anfang der Siebzigerjahre als Eldorado für die Knabenliebe.

 

Die moderne Steinzeit

In Afghanistan unter den Talibans und heute im Iran der Ayatollahs werden Homosexuelle gesteinigt. Die goldenen Zeitalter der islamischen Kultur sind endgültig vorbei. Clanchefs haben die Macht übernommen und setzen mit Hilfe von islamischen Geistlichen ihre patriarchale, rückwärtsgewandte Weltsicht durch. Dass dabei die Gesellschaft in Chaos und Armut versinkt ist nebensächlich, Hauptsache man ist der Chef!

 

Homophopie im Islam >>

 

Das iranische Regime kennt keine Gnade

Mahmoud Asgari (16) und Ayaz Marhoni (18)

 

Todesstrafe für zwei schwule Teenagers

Am 19. Juli 2005 wurden in der Stadt Mashhad in Nordost-Iran an Mahmoud Asgari (16) und Ayaz Marhoni (18) Todesstrafen durch erhängen vollstreckt. Die beiden Jugendlichen haben, sehr wahrscheinlich unter Folter, zugegeben schwulen Sex vollzogen zu haben. Vor der Exekution wurden die beiden für 14 Monate in Haft gehalten und mit 228 Peitschenhieben gefoltert. Dies beweist auch, dass die beiden zum Zeitpunkt ihrer «verbotenen Handlungen» minderjährig waren.

Das iranische Regime begründete die Todesstrafen erst nach Vollstreckung mit Vergewaltigung eines 13-jährigen Jungen. Es muss angenommen werden, dass das Regime, wie so oft, durch falsche Anschuldigungen und einer Verleumdungskampagne versucht, die Hingerichteten zu diskreditieren, um Opposition in der Öffentlichkeit und durch Menschenrechtsorganisationen zu unterminieren. Der Anwalt von Mahmoud, dem minderjährigen Angeklagten, hat das Urteil angefochten und bis zum obersten Gericht weitergezogen. Trotz der Bitte des Anwalts, die verfügte Todesstrafe, wie für Minderjährige üblich, in eine 5-jährige Haftstrafe umzuwandeln, hat das oberste Gericht in Tehran das Todesurteil gegen Mahmoud bestätigt.

Das islamisch fundamentalistische Regime in Iran setz Sharia Recht strikte um, welches für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe vorsieht. Das Gericht kann die Vollstreckung des Urteils durch Erhängen, Steinigung, Köpfung mit einem Schwert oder Stürzen von einem hohen Gebäude verfügen. Unter Sharia Recht können Mädchen bereits ab 9 Jahren und Jungen ab 15 Jahren zum Tod durch Erhängen verurteilt werden.

Im weitern hält die LGBT Human Rights Group OutRage! fest: Iran exekutiert Lesben und Gays. Das iranische Regime hat seit der Machtübernahme 1979 rund 4000 Homosexuelle hingerichtet. Dies nach Quellen der im Exil agierenden iranischen Gay Rights Group Homan. Die iranische Regierung fingiert oft Anklagen gegen die Opfer ihrer mörderischen Politik, um sie zu diskreditieren und um öffentlichen Protest zu entmutigen.

 

www.queeramnesty.ch

outrage.nabumedia.com

www.homanla.org

 

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