Homophobie in Ansichten und Taten

- Homophobe Parolen von Schwulenhassern anlässlich der Pride in Luzern 2005. Unter anderem sollen die Schwulen schuld sein für den Tsunami.
Als Schwuler lebt man immer in einer Unsicherheit über den Grad der Akzeptanz in der Gesellschaft. Im täglichen Umgang fühlt man sich meist integriert und akzeptiert. Doch immer wieder hört und liest man von Hasstiraden und schwulenfeindilchen Anpöbelungen. Homophobie ist unterschwelig in der Gesellschaft verankert, wie Antisemitismus, Rassenhass und Ausländerfeindlichkeit. Und es gibt für alle diese diskriminierenden Strömungen intellektuelle Scharfmacher und willfähige Mitläufer, die vor Gewalt nicht zurückschrecken!
St. Gallen
März 2007
Skandal-Bischof segnet Perversion
NETWORK durfte schon manche denkwürdige GV erleben. Ganz in dieser Tradition wurde in St. Gallen wiederum einen Markstein gesetzt. In der von vielen als «wertkonservativ» eingeschätzten Ostschweiz war NETWORK ein gern gesehener Gast. Aber auch einer der auffiel. Die Regionalpresse berichtete ausführlich, der Empfang vom Bischof Markus Büchel in der Kathedrale war eine kleine Sensation.
Gar keine Freude daran hatten die hauptamtlichen Schwulenhasser von kreuz.net. Unter anderem berichteten diese unter obigem Titel:
In der Schweiz steckt ein von Papst Benedikt XVI. ernannter Diözesanbischof mit einer Vereinigung von Homo-Unzüchtigen unter einer Decke. NETWORK nennt sich eine Vereinigung in der Schweiz, die nach eigenen Angaben «schwule Führungskräfte» sammelt. Die homo-ideologische Gruppierung wurde vor elf Jahren gegründet. In der Vergangenheit setzte sie sich für die im Jahr 2005 in der Schweiz erfolgte staatliche Anerkennung eines Homo-Konkubinates ein. Am 11. März trafen sich nach Angaben der Tageszeitung St. Galler Tagblatt über 150 Homo-Ideologen von NETWORK zur 11. Hauptversammlung in der Ostschweizer Stadt St. Gallen. Die Mitglieder des Vereins nehmen nach Angaben der Tageszeitung «gesellschaftlich etablierte Positionen» ein: Anwälte, Geschäftsleute, Ärzte, Kulturschaffende oder Politiker.
Am Eingang zum Versammlungsort stand die Parole: «Schwule Männer, die bewegen». Einzig die drei Begrüssungsküsse – links-rechts-links – hätten daran erinnert, dass hier ein Treffen von Männern stattfand, «die sich aufgrund ihrer Lebensform zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben» – so das homo-unkritische St. Galler Tagblatt. (…)
Die Mitglieder von NETWORK würden sich «mit Selbstbewusstsein» für die angeblichen Rechte von Homosexuellen einsetzen und «haben damit vieles bewegt». (…)
Bischof Büchel empfing den Homo-Verein sogar in seiner Kathedrale. Er wünschte den Unzüchtigen dabei «Gottes Segen für ihre verantwortungsvollen Aufgaben. Die Freundschaften, die sie verbinden, sollen ihnen Kraft geben für ihr Leben.» (…)
«Dieser schmähliche Auftritt von Bischof Büchel ist ein unbeschreiblicher Skandal» – erklärte ein Priester aus der Diözese St. Gallen vor kreuz.net: «Rom kann ein solches öffentliches Fehlverhalten nicht ignorieren, ohne seine eigene Autorität zu untergraben.» Katholische Kreise in der Schweiz erwarten jetzt seine Absetzung durch den Vatikan.
Im Blog von Kreuz.net >> erfolgte eine weitgehende Zustimmung zur geforderten Absetzung. Ebenso auf Kath.net >>.
Zürich
Januar 2007
«Mumi» hat nichts (mehr) gegen Schwule
Die Casting-Show «Music Star» im Schweizer Fernsehen ist ein perfekter Spiegel der Befindlichkeiten in unserem Land. Da singen 16–25-Jährige aus der Deutschschweiz auf einem bemerkenswert guten Niveau um die Wette. Darunter ein kächer, blonder Bärner Giel mit dem unaussprechlichen Namen Brian Abeywickreme – das kecke Mädchen Fabienne Louves, ihr tiefschwarzer Vater sitzt jedes Mal im Publikum – die blonde Schönheit Albresha Iljazi – der Italo Luca Scioscia mit einem scharfen St. Galler Akzent – Sandra Wild, ein brav wirkendes Mädchen aus dem Toggenburg – der in bestem Baseldeutsch parlierende Muhammed Kahraman, genannt «Mumi» – Börni Höhn, leicht ausgeflipptes Zürcher Stadtkind – der Bündner Sandro Dietrich. Damit alles perfekt inszeniert werden kann, bekommen die Anwärter unter der Woche professionellen Tanz- und Musikunterricht. Jedem gibt man eine gute Chance Music-Star zu werden, als Preis winkt frühe Popularität und ein Plattenvertrag, der erste Schritt in das Show-Business wäre geschafft.
Es gibt eine professionelle Jury, der allerdings nur eine kommentierende Rolle zusteht, wählen tun die Zuschauer über Telefon und SMS. Eine betont lockere Moderation von Max Loong und Andrea Jansen, welche mit den Juroren Detlef D! Soost, Jürg Kilchsperger, Noëmi Nadelmann und den Kandidaten zwischen den Songs locker parliert, mit leichtem Touch unter die Gürtellinie. Max Loong zu Detlef D! Soost: «Du bist nächste Woche in Deutschland engagiert, kannst dich nicht um die Mädchen von Music-Star kümmern. Übernimmt deine Rolle des Gockels der Tanz-Coach Rafael Antonio?» Detlefs Antwort: «Da habe ich keine Angst, das weibliche Geschlecht geniesst nicht sein bevorzugtes Interesse».
An der Party nach der Show frägt ein Reporter von Radio 24 den Kandidaten Mumi, was er dazu meine, dass der Tanz-Coach schwul sei. Dieser antwortet: «Ich habe meinen Respekt verloren.»
Somit konnte man einen ersten Querschläger im «Wir sind alle nett miteinander» ausmachen. Hautfarbe, Religion, Herkunft sind unwichtig, aber schwul das geht nicht! Die Medien hatten den Skandal, der arme Mumi und seine Familie standen plötzlich in der Mitte eines Medienrummels. Im Tele-Züri bedauerte Mumi seine Aussage, seine konsternierte Mutter erklärte, so habe sie ihren Sohn nicht erzogen. In der Folgesendung musste Mumi ausscheiden, das Publikum gab ihm zu wenig Stimmen, ob wegen seiner diesmal eher unterdurchschnittlichen Darbietung oder seiner Aussage bleibe dahingestellt, schwule Stimmen fehlten ihm ganz sicher.
Gewonnen hat schliesslich Fabienne Louves, sie wurde zum «Music-Star 2007» erkürt. Gewonnen hat auch die Schweiz, es sollte jetzt allen Jungen klar sein, neben Hautfarbe, Religion und Herkunft ist auch eine andersartige sexuelle Ausrichtung kein Grund für eine Disqualifikation!
Zürich
Dezember 2006
Traue dich
Das Migros-Magazin thematisierte zum Jahreswechsel unter «Endlich ins Trauzimmer – erstes Schweizer Männerpaar heiratet» die Registrierung von NETWORKer Franz Freuler und Jürg Zaugg. Leserberiefe zeigen, dass der Artikel nötig war, sind doch die Schwulen für gewisse Kreise nach wie vor der Ursprung allen Übels. So traut sich Markus Weber aus Bühler zu schreiben:
«Aber, aber, aber ... Ihr Artikel über das Verheiraten von gleichgeschlechtlichen menschlichen Wesen hat mich masslos verärgert. Es ist eine Schande, dass Homosexuelle heute mit dem Segen des Staates heiraten dürfen und auch noch Kinder adoptieren können. Wie sollen diese denn ein gesundes Verhältnis zur Sexualität aufbauen? Zudem ist es paradox: Kinder will man, aber sie normal in Liebe zeugen dann doch nicht. Und dann kommt die seriöse Presse und bringt solche Artikel übers Heiraten von Homos: Da kann ich nur sagen: Pfui, pfui liebes Migros-Magazin».
Und Manuel Schmid aus Basel:
«Nun trägt auch das Mirgos-Magazin dazu bei, das Bild der ‹völlig normalen› schwulen Lebensweise zu prägen. Geradezu penetrant wird uns die Bürgerlichkeit des homosexuellen Paares vorgeführt. Es sind reihenhausbewohnende, campingferienliebende und partyverschmähende Dorfbürger. Schön. Es ist aber kein Geheimnis, dass das die seltene Ausnahme ist. Statistisch gesehen haben Homosexuelle 50 Sexualpartner im Leben – 12-mal mehr als Heteros. Monogamie findet sich unter Homosexuellen bei weniger als zwei Prozent.»
Abujia
Oktober 2006
Staatliche Homophobie in Nigeria
Die nigerianische Regierung prüft ein Gesetz einzuführen, dass den Umgang mit Gays verbietet. Des weiteren soll dem Entwurf zufolge verboten werden, Filme anzusehen oder Internetseiten zu besuchen, die «Homosexualität fördern». Nicht genug damit, dass gleichgeschlechtlicher Verkehr in Nigeria illegal ist und mit Haft bestraft wird - im nördlichen Nigeria nach islamischem Recht sogar mit dem Tode. Durch das neue Gesetz würde jedes Treffen zwischen zwei Personen, von denen mindestens einer offen homosexuell ist, zu einem Verbrechen. Es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Die Schwulen und Lesben des Landes sind total eingeschüchtert und leben verborgen. Beobachter betrachten den Vorstoss der nigerianischen Regierung als Reaktion auf die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Südafrika.
Ankara
Juli 2006
Prozess gegen Herausgeber eines Gay-Magazins
Der Prozess gegen Umut Guner, dem Herausgeber der einzigen schwullesbischen Zeitschrift in der Türkei wurde auf Ende Februar verschoben. Er ist angeklagt mit seinem Magazin gegen Sitte und Moral verstossen haben. Im letzten Juli wurde die aktuelle Ausgabe des schwullesbischen Magazins Kaos-GL konfisziert. Dieses Magazin sei nicht mit der Moral in der Türkei und dem Türkentum vereinbar, so die Begründung. Besonders ironisch an diesem Fall ist, dass Guner genau am 24. Juli verhaftet wurde, an jenem Tag also, den die Türkei als Tag der Pressefreiheit begeht. Umut Guner drohen nun, falls er für schuldig befunden wird, bis zu drei Jahren Haft.
Zürich
Juni 2006
Klaus J. Stöhlker hat nichts gegen Schwule
Der Zürcher PR-Berater schreibt auf seiner Homepage nach dem CSD Zürich und Warschau: «Gegen Homos und Lesben habe ich wirklich nichts. Was mich ein wenig stört an den Auftritten dieser Minderheit ist der schrille, sexbetonte Ton. Auch finde ich es merkwürdig, wenn die EU die polnische Regierung zwingt, diesen Anlass in Warschau durchzuführen und die ‹NZZ› diesen Anlass als Aufmacher auf ihrer Seite ‹International› auf einer halben Seite bringt. Kürzlich las ich in der ‹SZ› eine literarische Beschreibung des damit verbundenen Kopulationsvorgangs bei Männern. Früher hätte man gesagt: ‹disgusting›. Ich finde das Thema ohnehin absolut überbewertet, denn es handelt sich bei Homos und Lesben um ‹Bare Branches›, also tote Äste, die den Niedergang Europas eher beschleunigen als verhindern. Wenn die EU eine liberale Sexualmoral fördert, dann tut sie dies angesichts einer vorhersehbaren materiellen Verschlechterung grosser Teile ihrer Völker. Das Ergebnis wird sein: Mehr Sex bei sinkender Kinderzahl und immer leererem (Geld-)Beutel.»
Solchen Quatsch sagt ein Meinungsmacher in unserem Land! Einer der PR-Mandate betreut für die FDP, die UBS und unzählige weitere Firmen. Einer der mitten in der Gesellschaft agiert! Es zeigt exemplarisch wie tief homophobes Gedankengut verankert ist. «Bare Branches» bedeutet tote und marode Äste, die ins Leere führen und bezieht sich auf das genealogische Phänomen des Aussterbens von Familienästen in Stammbäumen. Im Kopf von Stöhlker geistern eugenische Konzepte, die an die «Rassenhygiene» irregeleiteter «Wissenschafter» der Ethnologie in der Nazizeit erinnern. Das sind absolut unhaltbare Ansichten, die auf allerschärfste zurückgewiesen werden müssen.
Homophobie ?
Schwule untergraben Hierarchien, stellen «gottgewollte» Verhältnisse in Frage. Darum gilt es dieses Übel auszurotten! Seit dem Mittelalter verfolgt die christliche Kirche Schwule als Ketzer, ebenso heute der Islam. Die «gottgewollte» Hierarchie der Gesellschaft, die Unterteilung in Familien, Sippe und Clans – all das ist nicht mehr zu kontrollieren, wenn sich Schwule selbstbewusst einmischen! Die patriarchalen Strukturen würden in Frage gestellt.
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