Zur Homepage von network.ch.
  Letzte Aktualisierung: 18.05.13
Navigations-Pfad: Homepage / Politik und Gesellschaft / Bernhard Pulver / Gay Pride Biel 2008    
  


NETWORK Login

Email:

Password:



EGMA - European Gay Manager Association

NETWORK Sekretariat
Postfach
CH-8027 Zürich
Tel. 044 918 30 31
Home
Mitglied werden?
Kontakt
Suche
Sitemap
Gay Business
Links
Druckversion

Lesbian and Gay Pride, Biel / Bienne, 21 juin 2008

Bernhard Pulver

Discours de M. Bernhard Pulver, conseiller d'Etat, directeur de l'instruction publique du canton de Berne

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Stadtpräsident, lieber Hans,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mesdames et Messieurs

C'est un plaisir particulier de vous souhaiter la bienvenue ici, dans le canton de Berne, pour cette 10e Lesbian and Gay Pride.

J'ai déjà participé à plusieurs manifestations de ce type, mais aujourd'hui, je peux m'adresser à vous en tant que membre du Conseil d'Etat du canton de Berne!

 

J'aimerais vous présenter trois réflexions.

  1. La Suisse est un pays fabuleux
  2. Pourquoi des manifestations comme cette Pride est nécessaire?
  3. Qu'est-ce que peut apporter l'école pour la tolérance?

 

Sur le premier point:

La Suisse est un pays fabuleux

La Suisse n'est certes, à la différence d'autres petits pays comme le Portugal ou la Hollande, pas entrée aux quarts de finale de l'Eurofoot.

En revanche, pour ce qui est de l'esprit d'ouverture de sa société et sa tolérance envers les gays et lesbiennes - la Suisse est un pays qui se trouve parmi les premiers du monde.

Certes, les pays scandinaves, l'Espagne et la Hollande étaient avant nous, mais notre pays est parmi la petite douzaine de pays au monde qui offrent, par leur législation, une institution de partenariat qui met le partenariat homosexuel sur un pied d'égalité avec le mariage.

Et en Suisse, de plus, cette loi a été acceptée dans une votation populaire!

Donc: N'ayons pas de complexe d'infériorité - ce pays, pour ce qui est des questions de société - et non seulement en ce qui concerne l'homosexualité - est un pays progressiste et ouvert d'esprit.

En soyons fiers!

C'est aussi votre engagement qui nous a amené ici!

 

Deuxième point:

Pourquoi des Prides sont nécessaires

Même dans la société la plus tolérante, les gays et les lesbiennes seront toujours une minorité.

Il sera donc toujours difficile pour un adolescent de faire son coming-out: les collègues de classe, les amis, les parents, tous sont - du moins semble-t-il, hétérosexuels.

Les jeunes se sentent seuls, ont peur:

  • Est-ce normal?
  • Est-ce que je suis le seul?
  • Comment trouver un ami?

D'où un taux de suicidalité plus élevé, d'où un risque particulier de discrimination.

Dans ce contexte, il est essentiel,

  • de s'affirmer,
  • de rendre les homosexuels visibles,
  • d'en faire un thème dans les médias.

D'où le besoin d'organiser des manifestations comme celles-ci. Je remercie les organisateurs et vous tous de rendre cet événement possible!

 

Enfin, un dernier point:

Was kann die Schule gegen Diskriminierung tun?

Sexualpädagogik gehört - zumindest im Kanton Bern - zum obligatorischen Inhalt des Lehrplans. Homosexualität ist dabei zu thematisieren.

Ich werde mich persönlich auch dafür einsetzen, dass dieses Thema

  • im neuen Plan d'études romand
  • und im Deutschschweizer Lehrplan

enthalten sein wird.

 

Die Schule hat also hier einen verbindlichen Auftrag.

Ein Problem ist, dass viele Lehrkräfte mit der Sexualpädagogik im Allgemeinen und den heikleren Themen wie eben auch Homosexualität eine gewisse Schwierigkeit haben.

Viele Lehrkräfte machen das sehr gut, andere haben Hemmungen.

Es ist vielleicht zu überlegen, ob die Regellehrkraft wirklich die richtige Person ist, um derart heikle und persönliche Themen mit der Klasse zu diskutieren.

Es gibt auch andere Ansätze, namentlich der in der Westschweiz vorherrschende: Dass nämlich externe Spezialisten dieses Thema in der Schule anpacken.

Ich werde mich in den nächsten Monaten mit dieser Frage vertiefter auseinandersetzen.

 

Ich komme zum Schluss:

Die Schweiz hat grosse Fortschritte gemacht in der Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Freuen wir uns darüber. Seien wir uns aber bewusst:

  • Dies war nur dank einem breiten Einsatz von uns allen möglich!
  • Und eine tolerante Gesellschaft ist nie einfach so für immer gegeben - dazu braucht es einen täglichen Einsatz.

Deshalb ist es unsere Aufgabe,

  • uns gegen Diskriminierungen - hier und anderswo - einzusetzen
  • uns zu zeigen, und somit die Selbstverständlichkeit des Schwul- und Lesbischseins zu zeigen,
  • Organisationen zu stützen, die sich dafür einsetzen.

Ihnen allen vielen Dank, dass Sie das tun! Ich wünsche Ihnen eine schöne Pride!

Bernhard Pulver, Regierungsrat Kanton Bern, Vorsteher der Erziehungsdirektion

 

 

Interview mit Bernhard Pulver

 

«Ich stehe zu dem was ich bin»

Regierungsrat Bernhard Pulver tritt morgen an der Lesbian Gay Pride in Biel als Redner auf. Pulver bekennt sich offen zu seinem Schwulsein und spricht über sein Coming-out und seinen unerfüllten Kinderwunsch.

 

Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit hat gesagt: «Ich bin schwul und das ist gut der so.» Sie sind als Redner an Lesbian Gay Pride. Sind Sie der Wowereit von Bern?

Bernhard Pulver: Ich glaube es braucht Politiker, die offen schwul oder lesbisch sind. Ich bin immer zu dem gestanden, was ich bin – deshalb gehöre ich zu den Politikern, die ihre Homosexualität selbstverständlich leben.

 

Wann haben Sie sich geoutet?

Etwa mit 15 Jahren – von öffentlichem Interesse war das natürlich nicht. Ich konnte mit meinen Eltern offen sprechen. Auch hatte ich in der Schule nie Probleme deswegen.

 

Grossrat und SVP-Hardliner Thomas Fuchs outete sich 1997. Sie haben das in Ihrer Zeit als Parlamentarier nicht getan.

Das war auch nicht nötig. Ob als Generalsekretär der Grünen oder als Stadtrat, auf die Frage nach meinem Privatleben habe ich immer geantwortet, dass ich mit meinem Partner lebe. Damit war meine Homosexualität immer selbstverständlich und man konnte mich deswegen auch nie angreifen.

 

Warum treten Sie an der Pride als Redner auf?

Schon andere Politiker haben bei solchen Anlässen Ansprachen gehalten. Auch der Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli wird das morgen an der Pride tun. Ein Zeichen dafür, dass Schwule und Lesben heute anerkannt sind. Für mich ist die Teilnahme aber natürlich auch ein Akt der Solidarität.

 

Tabuisieren sich die Homosexuellen selber – man sieht keine küssenden auf der Strasse.

Das liegt sicher auch daran dass nur 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung homosexuell sind – da fällt ein Männerpaar natürlich auf. Und es ist nicht jedermanns Sache, seine Gefühle öffentlich zu zeigen. Das tun auch heterosexuelle Paare nicht jeden Tag.

Heteros küssen ihre Partner zur Begrüssung und schlendern Hand in Hand durch die Stadt.

 

Auch ich küsse meinen Partner zur Begrüssung und er begleitet mich an Anlässe. Es wäre mir nicht wohl, wenn ich mich verstecken müsste. Schön ist dabei: Wer seine Homosexualität selbstverständlich lebt, erhält selten negative Reaktionen. Die Schweiz ist ein tolles Land – auch in dieser Frage.

 

Ist Ihre sexuelle Ausrichtung ein Thema bei Ihrer Arbeit als Erziehungsdirektor?

Nein. Wichtig ist, dass sich ein Erziehungsdirektor für die Schule und die Hochschulen einsetzt. Schüler und Lehrkräfte sollen möglichst gute Bedingungen erhalten. Ich sehe nicht, was ich als heterosexueller Regierungsrat anders machen würde.

Als homosexueller Erziehungsdirektor könnten Sie es zur Pflicht machen, dass Homosexualität im Unterricht thematisiert wird.

 

Sexualpädagogik ist bereits heute Pflicht. Dabei ist auch die Homosexualität ein Thema. Allerdings gibt es da Handlungsbedarf.

Konkret?

Für Schüler ist es oft nicht optimal, ausgerechnet mit ihrem Lehrer über solche Dinge zu sprechen. Wir überlegen uns, wie wir die Lehrer im Sexualkundeunterricht unterstützen können. Über Homosexualität zu sprechen ist wichtig, weil Jugendliche dabei auch erfahren, an welche Stellen sie sich wenden können, falls sie Unterstützung brauchen. Das wird noch zu wenig thematisiert.

 

Politisieren Homosexuelle anders als Heterosexuelle?

Vielleicht. Weil sie um die Verletzlichkeit des Menschen und um die Notwendigkeit von gegenseitigem Respekt wissen müssten. Dies könnte dazu führen, dass Homosexuelle weniger rücksichtslos politisieren und versuchen die Gesellschaft so zu gestalten, dass für Minderheiten Platz ist.

 

Sollen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren?

Es heisst, es ist wichtig für Kinder, Vater und Mutter als Bezugspersonen zu haben. Allerdings ist die Realität heute für viele Kinder allein Erziehender eine andere. Deshalb sehe ich nicht, was dagegen spricht. Zudem würde man ja genau prüfen, dass die Adoptivkinder in ein gutes Umfeld kommen. Ich habe aber grosses Verständnis dafür, wenn die Gesellschaft dazu noch nicht bereit ist.

 

Sind Sie traurig darüber, keine Kinder haben zu können?

Ich habe Kinder sehr gerne. Diese Frage hat sich für mich jedoch nie gestellt, weil immer klar war, dass es nicht möglich ist. Es gibt ja auch Ehepaare, die keine Kinder haben können.

 

Sie nehmen das locker?

Ich bin so. Ich betrachte die Situation in der ich mich befinde als Chance. Was ich nicht ändern kann akzeptiere ich.

 

Würden Sie ein Kind adoptieren, wenn es möglich wäre?

Eine sehr persönliche Frage … (überlegt). Das wäre für mich nicht ausgeschlossen. Es gab Momente, in denen ich bedauerte, keine Kinder haben zu können. Insgesamt bin ich aber ein glücklicher Mensch. In meinem Beruf habe ich jeden Tag die Möglichkeit, etwas für Kinder und Jugendliche zu tun. Was will ich mehr?

 

Interview Andrea Sommer, Berner Zeitung Stadtausgabe, Bern, 20.06.2008

 

Politiker-Porträts

Claude Janiak
Ständerat BL

Bernhard Pulver
Regierungsrat BE


Networker stellen sich zur Wahl in die kantonalen Parlamente >>


Statements zu aktuellen schwulenpolitischen Diskussionen >>


GaySVP: interview mit Beat Feurer >>


Fachgruppe Homosexualität der CVP Schweiz: Interview mit Stefan Gassmann >>


Schwulenpolitik

Schwulsein heute >>

Schwul ganz normal? >>

Der Kampf um Akzeptanz und Gleichberechtigung >>

Die Verfolgung der Homo­sex­uellen in der Schweiz >>


Schwulengeschichte

Überblick zur Schwulen­geschichte in der Schweiz, recherchiert und zusam­men­gefasst von Ernst Ostertag

Einleitende Gedanken >>

1836–1932 >>

1929–1942 >>

1943–1967 >>

1968–1979 >>

1980–1990 >>

1990 bis heute >>

Ausblick >>


Es geht um Liebe – Schwule in der Schweiz und ihre Geschichte. Zur Website >>


Symposien

Partnerschaft >>

Immigrantenkultur versus Menschenrechte >>


Partnerschaftsgesetz

Überblick >>

Checkliste für Unternehmen zur Umsetzung >>