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Homosexualität in biblischer Perspektive

Stellungnahme der katholischen Kirche zum Partnerschaftsgesetz

Mann-Männlicher Geschlechtsverkehr ist ein Greuel

Auszug/Zusammenfassung

Im dritten Buch Moses, dem Leviticus, werden zwanzig Verbote erlassen über das Sexualleben. Diese Verbote sind fast ohne Begründung. Für das Verbot des gleichgeschlechtlichen Verkehrs unter Männern dient der Ausdruck «Greuel». Es scheint so etwas wie unverträglich, inkompatibel mit göttlicher Gegenwart im kultischen oder liturgischen Raum zu bedeuten.

Aufschlussreicher für das Verständnis der zwanzig Verbote sind bestimmte Nebenbemerkungen. Beispielsweise das Verbot, in einen polygamen Haushalt zwei Schwestern als zwei Gattinnen desselben Mannes einzuführen, weil so die Schwestern zu Nebenbuhlerinnen gemacht würden. Zwischen Geschwistern darf kein Keil getrieben werden. Warum nicht? Welches Gut soll durch eine solche Gesetzesdisposition geschützt werden? Das gute Einvernehmen von Geschwistern ist ein schützenswertes Gut. Sie sind aufeinander angewiesen und müssen sich im Leben Stützen sein können. Daraus darf verallgemeinert werden: die Inzest-Verbote schützen die durch die Geburts- und Ehesituation geschaffenen Beziehungen der Familienmitglieder untereinander vor Beziehungsverwirrungen, welche den Individuen in der Familie Frieden und Sicherheit im Schosse ihres Lebenskreises nehmen würden.

Das Ehebruchsverbot schützt die fremde, aber auch die eigene Familie vor Übergriffen und trägt damit zum Frieden in der Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft bei. Ehebruch ist Verantwortung beider, von Mann und Frau. Mit anderen Worten überall dort, wo freie Mitwirkung eines Partners zum Zustandekommen einer bösen Tat unentbehrlich ist, gilt die Mitverantwortung desselben als gegeben. Es gibt Verstösse, die nicht allein, sondern nur in gemeinsamem Tun vollbracht werden können und folglich gemeinsam verantwortet werden müssen. Es ist das Vergehen von Komplizen.

Homosexuellen Geschlechtsverkehr unter Männern ist aus diesen Gründen untersagt. Geschlechtsverkehr impliziert eine Beziehung, die durch Leidenschaft (oder, wenn man lieber will, durch Attraktivität), durch Intimität und durch eine gegenseitige ausschliessliche Beanspruchung geprägt ist. Solche sexuellen Beziehungen sind mit andern Beziehungen wie die von Eltern und Kind, von Geschwistern untereinander usw. unvereinbar.

Männer stehen unter sich in Beziehung zueinander als Väter, als Söhne, als Brüder, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Vorgesetze, Untergebene usw. Solche Beziehungen sind im Schosse der Familie und der weiteren Gesellschaft meist schweren Spannungen ausgesetzt. Wenn zu ihnen gelebte homosexuelle Beziehungen hinzutreten, verliert man die Übersicht. Sexuelle Attraktivität und daraus entstehende Bindungen sind als Ansprüche zu sehen. Ihm gegenüber stehen andere Verhältnisse und Bindungen nicht-sexueller Art, die ihren Anspruch haben, von sexueller Betätigung frei zu bleiben. Das Verbot des Geschlechtsverkehrs der homosexuellen Liebe erfolgt im Interesse der Ausgewogenheit der verschiedenen Bedürfnisse innerhalb derselben Familiengruppe und zwischen den Familien und den Individuen in der Gesamtgesellschaft.

Sexuell ausgeprägte Beziehungen unter Menschen stehen neben andern Beziehungen, in denen die sexuelle Attraktivität keine Rolle spielt, wie es Eltern-Kind-, Geschwister-, Arbeits-, Nachbarschafts- und viele andere Beziehungen sind. Es muss solche Beziehungen geben, die ausdrücklich von Anziehung sexueller Art frei bleiben müssen. Dies ist im Interesse klarer Verhältnisse und im Interesse des Friedens und auch des Schutzes gewisser Personen und Gruppen vor Übergriffen, Pressionen oder Umwerbungen unentbehrlich.

Juli 2000, Adrian Schenker, ordentlicher Professor für Altes Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg.

Sein ganzer Artikel / Quelle >>


Kommentar

Aus der Sichtweise von Prof. Schenker ist männliche Homosexualität abzulehnen, weil man die Übersicht über die Machtverhältnisse in einer Familie verliert! Lesbische Beziehungen interessieren nicht, da Frauen «gottgewollt» unter den Männer stehen! Was für ein rückwärts gewandtes Weltbild!

Sein Artikel ist eine historisch-kritische Bibelauslegung in Reinkultur, so viel, dass man gelegentlich fast ein wenig vergisst, worum es überhaupt geht ...

Der Akzent liegt sehr stark auf den Umstand, dass in der sozialen Ordnung des vorchristlichen Israels, die völlig auf die Familie zentriert war, es ganz einfach kein Platz für Schwule gab. Ein Mensch ohne Familie, vor allem ein Mann, war ganz einfach nicht vorstellbar und das soziale Gefüge der «Alterssicherung» setzte ausschliesslich auf die Tatsache, dass Kinder da waren. Nachwehen davon erleben wir noch bis heute: Es für orthodoxe Juden ist es viel schwieriger als für alle anderen, homosexuell zu leben, weil das soziale Fundament der Familie aufs Spiel gesetzt wird. Aus dieser Sichtweise ist die Tat der Männer von Sodom besonders verwerflich, weil sie erstens das geheiligte Gastrecht verletzten und zweitens auf eine so schändliche Art. Doch für eine zeitgemässe Auslegung der Bibel würde es bereits genügen, diese Wertungen nicht automatisch in unsere Zeit zu übertragen.

Paulus seinerseits hat vor allem die Tempelprostitution im Blick, die allgemein ein Greuel ist, in der homosexuellen Form ganz besonders. Auch diese Grundlage ist heute als Basis einer ethischen Weisung obsolet. Überhaupt, Paulus und das damalige jüdische Volk: Man konnte sich einen Mann gar nicht anders denken, denn als hetero; das war so selbstverständlich, dass man dafür gar keinen Begriff brauchte. Paulus spricht gar nicht von uns Schwulen, denn wir haben nichts «verkehrtes» in unserer Sexualität, sie ist einfach so.

Der Umstand, dass wir heute – und dies erst seit rund 100 Jahren! – von einer homosexuellen Konstitution wissen, die den Betreffenden ganz einfach vorgegeben ist, macht es offensichtlich, dass die biblische Grundlage nicht im fundamentalistischen Sinn für die heutige ethische Einschätzung schwulen Verhaltens beigezogen werden kann. Die Lösung für ein schwules Leben ist nicht, zu versuchen, der Ehe so nahe wie möglich zu kommen und wenn es mit einer Frau nicht geht, dann halt gar nichts. Vielmehr hat man von einer unverfügbaren Voraussetzung der homosexuellen Konstitution auszugehen und dann erst zu fragen: Wie gestalte man eine so geartete Sexualität ethisch verantwortungsvoll. Dass die Lösung nicht einfach heissen kann – so sein darfst du, aber leben darfst du es nicht – leuchtet ein. Das wäre ethisch absolut unverantwortlich, es ist den betroffenen Menschen in keiner Weise angemessen und trägt ihrer naturalen Bedingtheit keine Rechnung.

 

Das Partnerschaftsgesetz in der Sicht der katholischen Kirche

Domherr Christoph Casetti, Chur, in der Schweizerischen Katholischen Wochenzeitung vom 23. September 2004 zum Partnerschaftsgesetz:

Menschenbild und Umgang mit Homosexualität

Auszug

Am 18. Juni 2004 hat das Parlament das ‹Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare› verabschiedet. Für die Aktivisten der politischen Schwulenbewegung ist das ein Teilerfolg im Kampf um eine Aufwertung homosexueller Lebensweisen. (…)

Das Partnerschaftsgesetz ist ein irreführendes Signal. Schon der Begriff ‹Paar› in Bezug auf eine gleich­geschlechtliche Partnerschaft widerspricht der sozial- und kulturgeschichtlichen Bedeutung dieses Wortes, das immer die Verschiedenheit von Mann und Frau im Blick hat. Der neu geschaffene Zivilstand ist ein künstliches Sozialkonstrukt, das gerade nicht dem Leben der Gesellschaft als Ganzes dient, sondern nur erotischen Sonderinteressen. (…)

Mit aller Energie hat in den vergangenen Jahrzehnten eine kleine Minderheit den Kampf um rechtspolitische Anerkennung bzw. um angeblich ethische Gleichwertigkeit ihres Lebensstils geführt. Früher erlittenes Unrecht und eine von Unkenntnis und Vorurteilen beladene Geringschätzung von Betroffenen wurden in Erinnerung gerufen, um von da aus besser an das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen appellieren zu können. Das allein hätte für den Wandel wohl nicht ausgereicht. Ein massgeblicher Grund für diese Entwicklung liegt sicher in der Mentalität einer Spassgesellschaft, in der die Sexualität von der Weitergabe des Lebens entkoppelt worden ist. Die Programme der Massenmedien sind dabei die wichtigsten Multiplikatoren dieser Spassgesellschaft.

(…) Vom überlieferten christlichen Menschenbild her ist die Haltung gegenüber Menschen mit einer gleichgeschlechtlichen Neigung klar. Diese dürfen einerseits als Individuen in keiner Weise ungerecht zurückgesetzt werden. Andererseits sind homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung – ganz analog zur Abwehr von Irrwegen, die es auch im heteroerotischen Bereich gibt. Sie sind darum auch nicht zu billigen. Soweit sie vorsätzlich gewollt sind, sind sie sündhaft. Deshalb sind homosexuelle Menschen einerseits zur Keuschheit gerufen, sollen andererseits aber auch auf ihrem Weg seelsorgerisch kompetente Begleitung erfahren können.

Anders sieht es die politische Schwulen- und Lesbenbewegung. Für sie ist Homosexualität nur eine Variante der menschlichen Sexualität, die als gleichwertig anerkannt und ausgelebt werden soll wie die Heterosexualität. In theologischer Überhöhung ist sogar von einer ‹Schöpfungsvariante› die Rede; sie werde von Gott ebenso gutgeheissen wie die Heterosexualität. Doch dieser Sicht widerspricht eindeutig die jüdisch-christliche Anthropologie des Alten und des Neuen Testaments. (…)

 

Eine ganz andere Sichtweise hat der Schweizerische Katholische Frauenbund >>

 


Schwule in der Bibel >>

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (Deutschland), HuK

Verein schwule Seelsorger Schweiz, Adamim

Christliche Organisation von Lesben, CooL

 

Ein positives Bild

Die Stellungnahme des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchen­bun&shy,des zur Homosexualität >>


Schwul ?

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Ich bin schwul – und das ist auch gut so! >>

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