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Martin Naef, SP, Zürich

Kandidiert für den  Nationalrat
 
Partei, Liste SP, Liste 2
Geburtsdatum 10. November 1970
Zivilstand ledig
Aufgewachsen in Dietlikon/ZH
Bildungsweg Studium der Rechte an der Universität Zürich, lic.iur.
Heutige Tätigkeit   Personalverantwortlicher und Mediensprecher der Vormundschaftsbehörde der Stadt Zürich; Kantonsrat SP Zürich 4/5, Mitglied Kommission Justiz und öffentliche Sicherheit, Parlamentarische Untersuchungskommission BVK (PUK 2).
Mitgliedschaften Vorstand HAZ, ZAH, KV Zürich. Mitglied Politkommission Network, queer amnesty, Pink Cross. Stiftungsrat Zürcher Gefangenen- und Entlassenenfürsorge. Alt-Parteipräsident SP Kanton Zürich, alt-Fraktionspräsident SP im Zürcher Verfassungsrat.
Internet www.martin-naef.ch

Martin, Du kandidierst für den Nationalrat. Warum?

Nach den vergangenen über zehn Jahren in der aktiven Zürcher Politik möchte ich meine Erfahrung auch dort einbringen können, wo heute vieles, was mir wichtig ist, entschieden wird: Und das ist auf der nationalen Ebene. Dazu gehört sicher die Beseitigung der verbliebenen Diskriminierungen für uns Schwule, aber es geht mir auch um eine soziale und freiheitliche Gesellschaftsordnung, um Chancengerechtigkeit für alle Menschen in unserem Land.

 

Seit 5 Jahren gibt es in der Schweiz das Partnerschaftsgesetz. Die Schwulen und Lesben haben sich damit eingerichtet. Wie wichtig sind die verbleibenden Diskriminierungen?

Das Partnerschaftsgesetz war rechtlich, aber auch tatsächlich ein Meilenstein. Dies insbesondere, weil es in einer Volksabstimmung eindrücklich bestätigt wurde und nicht einfach vom Parlament beschlossen. Im Alltag, sei es im Beruf oder in der Freizeit, gibt es aber nach wie vor ganz reale Diskriminierungen. Gesetze können nicht die Menschen verändern, aber sie drücken die Werthaltung einer Gesellschaft aus und sind dazu da, Schranken zu setzen.

 

Gibt es Handlungsbedarf von Seiten des Staates für die volle Akzeptanz der schwulen Lebensform?

Sicher: Das absolut inakzeptable Adoptionsverbot für Schwule und Lesben gehört aufgehoben. Daneben sehe ich einen Handlungsbedarf im Arbeits- und Mietrecht. Und schliesslich bin ich beunruhigt über die Gewalt gegen Schwule. Hier sollten wir über eine Verschärfung der Strafsanktionen nachdenken.

 

Die Dachorganisationen der LGBT-Gemeinschaft haben 2011 zum Jahr der Antidiskriminierung erklärt? Ziel ist die Revision von 15 bestehenden Gesetzen. Wie stehst du dazu?

Ich unterstütze sämtliche Vorschläge ohne jeden Vorbehalt und würde mich in Bundesbern dafür stark machen.

 

Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Darunter gibt es Personengruppen welche aufgrund ihrer Kultur, Sitte und Religionszugehörigkeit homophobe Haltungen mitbringen. Brauchen wir spezielle, griffige Massnahmen (Gesetze, Richtlinien), welche radikale Vertreter dieser Gruppierungen auf unsere Werte verpflichten?

Vorurteile und Ausgrenzung lassen sich leider nicht einfach verbieten. Umso wichtiger ist es aber, dass sich alle Menschen in unserem Land möglichst schon als Kinder in der Volksschule mit anderen Lebensformen auseinandersetzen, Toleranz und gegenseitigen Respekt üben. Dort, wo dies nicht gelingt, ist die schweizerische Verfassungs- und Rechtsordnung aber mit aller Klarheit durchzusetzen. Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Unsere Freiheit also auch die ihre.

 

Wie weit sollte die Ahndung von diskriminierenden Äusserungen gegenüber Homosexuellen in der Schweiz gehen?

Wie erwähnt sollte das Antirassismus-Gesetz durch die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ergänzt werden. Weiter müssen wir bestrebt sein, diesen Diskriminierungsschutz auch in weitere Gesamtarbeitsverträge und Unternehmensleitbilder aufzunehmen. Wichtiger noch als diskriminierende Äusserungen ist leider aber immer noch physische Gewalt gegen Schwule. Gewalt gegen Angehörige einer Minderheit, gerade weil sie dieser Minderheit angehören, gilt bspw. in den USA als «hate crime» und wird entsprechend härter bestraft.

 

Welche grundsätzliche Position nimmst du gegenüber Organisationen oder Staaten, welche Homosexualität ablehnen oder gar unter Strafe stellen? Wo siehst die Grenze deiner Kompromissfähigkeit auf dem Gebiet der privatgeschäftlichen und staatswirtschaftlichen Beziehungen?

Wenn man solche Beziehungen nicht führt, kann man auch nicht bei jeder Gelegenheit einfordern, dass sich diese Organisationen (z.B. kirchliche) oder Staaten an die Menschenrechte halten. Die Schweiz sollte sich noch verstärkt in den internationalen Organisationen wie der UNO, dem Europarat oder der OSZE für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen. Oder auch dort, wo sonst einen grossen Einfluss auf bestimmte Staaten nehmen kann – wie z.B. im Internationalen Währungsfonds auf einige Kaukasusrepubliken und zentralasiatische Staaten.

 

Gibt es sozialpolitische Fragen des Schwulseins? Wie stehen wir im Alter da, bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit?

Wie alle Menschen haben auch wir ein Recht darauf, bei Pflegebedürftigkeit und im Alter möglichst autonom und in einem Umfeld zu leben, wo wir uns wohl fühlen. Schwule Wohn- und Lebensformen im Alter sind ein sehr wichtiges Thema, das bislang in der gesellschaftspolitischen Diskussion auch innerhalb der Schwulenorganisationen zu kurz gekommen ist.

 

Wie ist deine Haltung zum Adoptionsverbot von homosexuellen Paaren?

Entscheidend für eine Adoption ist das Wohl des Kindes. Auch als Mitarbeiter einer Vormundschaftsbehörde sage ich darum: Das grundsätzliche Adoptionsverbot für Schwule und Lesben ist rechtlich und faktisch absolut inakzeptabel.

 

Ausserhalb der Schwulenpolitik, was sind deine wichtigsten politischen Anliegen für die nächste Legislaturperiode?

Ich möchte auch in Bern dazu beitragen, dass wir in unserem Land wieder lernen, einander zuzuhören und konstruktiv für die Menschen, die hier leben zu arbeit


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